Dark Patterns und warum ich sie ablehne
Manche Designs sind nicht schlecht gemacht. Sie sind absichtlich gegen dich gebaut.
Versteckte Kündigungsbuttons, vorausgewählte Häkchen, Countdown-Timer, gefälschte Knappheit, Cookie-Banner bei denen Ablehnen drei Klicks braucht und Zustimmen einen. Die Liste ist lang. All das fällt unter eine Kategorie: Dark Patterns.
Ein Dark Pattern ist ein Designtrick, der Menschen zu etwas bringt, das sie eigentlich nicht wollen. Zu einem Abo, einem Kauf, der Preisgabe von Daten. Das Tückische daran: Es ist oft richtig gut gemacht. Handwerklich sauber, hübsch, durchdacht. Nur eben mit dem Ziel, gegen die Interessen der Nutzer zu arbeiten. Und die meisten Menschen wissen gar nicht, dass diese Countdown-Timer oder die angezeigte Knappheit oft schlicht gefaked ist.
Die üblichen Verdächtigen
Einmal erkannt, sieht man sie überall:
- Der versteckte Ausweg. Anmelden geht in zwei Sekunden, kündigen dauert fünf Klicks und ein verstecktes Menü.
- Vorausgewählte Häkchen. Der Newsletter, die Zusatzversicherung, die Datenfreigabe. Schon angekreuzt, bevor du überhaupt geschaut hast.
- Künstliche Dringlichkeit. „Nur noch 2 Zimmer frei!", „Angebot endet in 4:59". Druck, der dich zum schnellen Klicken bringen soll.
- Schuld als Mittel. „Nein danke, ich spare lieber kein Geld" als Ablehn-Button. Wer will da schon Nein sagen?
Ein Design, das nur funktioniert, weil der Mensch nicht genau hinschaut, ist kein gutes Design. Es ist eine Falle mit schöner Oberfläche.
Warum ich das ablehne
Für mich steht im Zentrum von gutem Design immer der Mensch. Eine gute Conversion-Rate ist dann das Ergebnis, nicht das Ziel. Dark Patterns drehen genau das um: Der Mensch wird zum Mittel, um eine Kennzahl zu erfüllen. Das widerspricht allem, woran ich glaube.
Und das Verrückte ist: Es lohnt sich nicht mal langfristig. In meiner Wettbewerbsanalyse für mein Bootcamp-Projekt habe ich immer wieder dasselbe Muster gesehen. Sobald eine App das Vertrauen ihrer Nutzer für kurzfristige Zahlen verkauft, verliert sie genau die Menschen, die sie halten wollte. Vertrauen ist schwer aufzubauen und in einem Klick zerstört.
Der ehrliche Weg
Das Gegenteil von Dark Patterns ist nicht kompliziert. Mach den Ausweg so einfach wie den Eingang. Lass Häkchen leer. Sei ehrlich mit Knappheit und Zeit. Formuliere Buttons so, dass ein Nein genauso würdevoll ist wie ein Ja. Es ist kein Geheimwissen. Es ist einfach Respekt.
Und mal ehrlich: Wer will schon ein Produkt bauen, das seine eigenen Nutzer austricksen muss? Wenn ein Designer zu Dark Patterns greift, sagt das eigentlich mehr über das Produkt aus als über die Nutzer.
Ich will Produkte gestalten, bei denen Menschen sich hinterher gut fühlen. Nicht ausgetrickst. Das ist für mich keine nette Option, sondern die ganze Idee von UX. :)