Eine App, bei der lokale Verbindung als Nebenprodukt entsteht — nicht als Ziel. Für Menschen, die sich Nähe wünschen, aber von klassischen Sozial-Apps eher abgeschreckt werden. Der Leitgedanke: Würde meine Persona sie nutzen, selbst wenn sie wüsste, dass sie nie jemanden trifft?
51 % der 18–35-Jährigen erleben moderate Einsamkeit — kein klinisches Problem, sondern ein alltägliches Gefühl. Hanna ist eine davon.
Alle Apps probiert, alle wieder gelöscht. Der Anspruch „Freunde finden" erzeugt genau den Druck, der sie blockiert.
Lebt alleine. Hat Freundschafts-Apps ausprobiert und wieder gelöscht. Angst vor Ablehnung blockiert jeden ersten Schritt. Wunsch: ein Leben, das sich echter anfühlt.
“Ich hab mich einfach damit abgefunden, dass mir irgendwas fehlt — ich aber nicht weiß, was und wie ich das ändern soll.”
Ich wollte verstehen, wie sich soziale Zurückgezogenheit wirklich anfühlt — bevor ich auch nur an Lösungen dachte. Dafür habe ich qualitativ und quantitativ gearbeitet, Hypothesen formuliert und den Markt analysiert.
Qualitative Interviews mit Menschen, die das Problem aus eigener Erfahrung kennen. Das zentrale Muster: Alle wollen Verbindung — aber niemand macht den ersten Schritt. Die tiefsten Freundschaften aller vier entstanden nie durch aktive Suche, sondern durch Wiederholung und Zufall.
Eine quantitative Umfrage zur Validierung der Interview-Muster. Das stärkste Ergebnis: 71 % warten darauf, angesprochen zu werden — und 92 % ziehen sich zurück, wenn niemand aus dem Umfeld Zeit hat. Nur 1 von 52 spricht dann jemanden Neues an.
Alle vier scheitern aus demselben Grund: Matching-Druck, Paywalls, beschädigtes Vertrauen.
5 Hypothesen, 1 widerlegt. Die überraschendste Erkenntnis kam von Hypothese 2.
Beiläufige, unverabredete Begegnungen als Grundlage für echte Verbindungen werden unterschätzt.
Menschen fühlen sich stärker mit einer Stadt verbunden, wenn sie kleine, konkrete Erfahrungen in ihr gemacht haben. → Größtenteils widerlegt: Verbundenheit entsteht durch Menschen, nicht durch Orte. Orte spielen kaum eine Rolle.
Der explizite Anspruch „Freunde finden" erzeugt so viel Druck, dass viele nach wenigen Enttäuschungen aufgeben.
Viele Menschen sind sozial bereits ausgelastet — aber nur, wenn sie der passive Part sind. Als passiver Part sind alle offen.
Menschen sind eher bereit, ihre Komfortzone zu verlassen, wenn der Anlass klein, konkret und ohne sozialen Erwartungsdruck ist — der ideale Moment ist einer, in dem die Person gar nicht merkt, dass sie gerade einen sozialen Schritt macht.
Das Problem ist nicht fehlende Motivation — sondern stille Resignation. Der Wunsch ist noch da (2,9/4), aber die Frustration ist niedrig (2,7/4). Rückzug ist die sicherste Option geworden.
Direkt aus dem Research: Der bewusste erste Schritt ist die größte Blockade.
Hanna braucht keinen Mut — sie braucht einen Weg, der den ersten Schritt unsichtbar macht. Mein Leitfilter: Würde sie die App nutzen, selbst wenn sie wüsste, dass sie nie jemanden trifft?
Vier Konzepte, parallel entwickelt — eigene und KI-generierte. Bewertet nach Impact, gefiltert durch den Leitfilter.
Eine App mit wöchentlichen Alltagsaufgaben und einem Feed. Verbindung zu anderen entsteht nicht durch aktives Suchen, sondern durch geteilte Orte und sichtbare Aktivität. Gewählt, weil sie als einzige den Einstieg vollständig vom sozialen Druck trennt.
Eine Lösung, die künstlich einen gemeinsamen Kontext schafft — nicht „triff jemanden", sondern „hier ist ein Grund, warum ihr beide gerade am selben Ort seid." Interessant, aber erfordert aktive Entscheidung.
Menschen hinterlassen digitale Spuren an realen Orten — kein Profil, kein Gesicht, nur „hier war jemand der dasselbe mag". Verbindung über gemeinsame Dinge, nicht über Personen. Spannend als Ergänzung, nicht als Kern.
Hanna lädt die App herunter — obwohl sie Social-Apps bereits abgehakt hat. Wenn der Einstieg trotz Aufgaben-Framing wie eine weitere „Freunde finden"-App wirkt, öffnet sie sie nie.
→ Modul 3 testet genau das.
Das größte Problem ist nicht schlechtes UX — es ist verlorenes Vertrauen.
8.428 Bewertungen, 4,6 Sterne — aber alle positiven Bewertungen 5+ Jahre alt. Heute: „Payment screen is everywhere", „Je länger ich die App nutze, desto enttäuschter bin ich."
Tinder-Logik für Freundschaften — für Hanna sofort unglaubwürdig. Swipe-Mechanik, Loss-Aversion-Tricks („Du bist jemandem aufgefallen — bloß wem?") und „Date" als Vorauswahl. Dark Patterns, die bewusst Druck erzeugen.
Hat tatsächlich funktioniert — aber nicht nachhaltig. „Nach ein paar Tagen wird es langweilig, immer das gleiche Prinzip." Das Retention-Problem zeigt: Gamification allein reicht nicht. Verbindung muss der Kern sein, nicht der Trick.
Die Umfrage hat die Interview-Muster nicht nur bestätigt — sie hat zwei überraschende Erkenntnisse geliefert, die das Konzept grundlegend geprägt haben.
Der Wunsch ist hoch (2,9/4), die Frustration aber niedrig (2,7/4). Das ist kein Widerspruch — es ist das Zeichen, dass Menschen aufgehört haben zu hoffen, ohne es bewusst entschieden zu haben. Rückzug ist nicht aufgeben. Es ist die sicherste Option.
Die meisten Befragten fühlen sich mit 3,1/4 relativ an ihrem Wohnort angekommen — wünschen sich aber trotzdem zu 63 % neue Kontakte. Verbundenheit mit dem Ort und Verbundenheit mit Menschen sind zwei verschiedene Dinge. Das war eine echte Überraschung.
Wenn niemand aus dem Umfeld Zeit hat: 46 % machen etwas anderes alleine, 35 % bleiben zuhause, 12 % machen es alleine. Nur 1 von 52 spricht jemanden Neues an. Das zeigt: Die Hemmschwelle ist nicht hoch — sie existiert für die meisten schlicht nicht als Option.
Was bestehende Apps bei Hannas Zielgruppe falsch machen — und wie das Konzept es anders löst. Basierend auf einer Analyse von 5 Dark Patterns in Bumble BFF und 8 daraus abgeleiteten Designprinzipien.
Hanna öffnet keine Social-App — sie öffnet ihre Stadt. Aufgaben und Feed haben für sich allein schon Wert. Verbindung entsteht nebenbei.
Wöchentlich 10 Aufgaben aus 20 Vorschlägen wählen. Kein Algorithmus, kein Zwang. Struktur ohne Druck.
Zeigt, wer in der Stadt dieselben Aufgaben macht — still, ohne Interaktionszwang. Das Gefühl, nicht alleine zu sein, entsteht von selbst.
Wer im Feed immer wieder auftaucht, kann angeschrieben werden — kein Match, keine Paywall. Der Code entsteht beim Abschließen einer Aufgabe.
Fokus auf eine Frage: Fühlt sich der Einstieg wie eine Social-App an — oder nicht? Onboarding und erster Feed-Moment sind die entscheidenden Screens.
KI als Werkzeug — nicht als Entscheiderin. Leitfaden üben, Erkenntnisse clustern, Ideen generieren.
Häufigkeit erkannt, Bedeutung entschieden — ich. Affinity Mapping und Cluster entstanden im Dialog.
Vier Ideen parallel generiert, ich habe bewertet. Zwei der stärksten Ideen kamen aus diesem Dialog.
Portfolio per Vibe Coding mit Claude gebaut — beschrieben statt programmiert.
Basierend auf dem Google HEART-Modell. Die wichtigste Dimension für dieses Produkt: Adoption — denn wenn Hanna die App nicht herunterlädt, ist alles andere irrelevant.
Nicht ob die App gefällt — sondern ob Hanna sie überhaupt herunterlädt. Genau das testet Modul 3.
Offen: das Cold-Start-Problem. Erste Hypothese: geseedete Inhalte durch die Monatsaufgabe.
Und: die Freemium-Grenze schärfen — was gehört zum Kern, was ist echtes Premium?
Die ehrlichsten Erkenntnisse aus dem Prozess — nicht die schönsten, sondern die, die sich am stärksten auf meine Designentscheidungen ausgewirkt haben.
„Würde Hanna es nutzen, ohne je jemanden zu treffen?" — hat Funktionen aussortiert, bevor sie entstanden.
Verbundenheit entsteht nicht durch Orte — durch Menschen. Das hat das Konzept komplett verschoben.
Bumble BFF hat gezeigt: Das Problem ist nicht schlechtes UX — es ist verlorenes Vertrauen. Jede Designentscheidung ist auch eine Entscheidung über Vertrauen.



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ich bin immer offen für neue Gespräche.